Schleswig-Holstein - Kreisfreie Städte














ArchivmagazinDer Landesteil Schleswig ("Südschleswig"), d.h. der südliche Teil des ehemaligen Herzogtums Schleswig zwischen Königsau und Eider, war - wie das Herzogtum überhaupt - seit dem Mittelalter ein Lehen des Königreichs Dänemark. Die Grenze zwischen dänischer und deutscher Volkssprache folgte einer Linie etwa von Husum südlich des Dannewerks entlang und bis Eckernförde. Um 1800 war die deutsche Volkssprache bis in den südlichen Teil Angelns vorgedrungen. Heute ist die Sprachgrenze ungefähr mit der deutsch-dänischen Landesgrenze identisch. Seit den 1840er Jahren wurde die Bevölkerung Schleswigs in ständig zunehmendem Maße vom deutsch-dänischen Gegensatz beeinflußt. In Südschleswig war eine Minderheit dänisch-staatspatriotisch gesinnt, und später entwickelte sich ein dänisches Nationalgefühl. Besonders in Flensburg wurden seit den 1850er Jahren dänische Vereine gegründet.

Das Gebäude der Dansk Centralbibliotek for SydslesvigAls Schleswig 1920 geteilt wurde, war die dänische Minderheit im Landesteil Schleswig (Südschleswig) vor allem auf den nördlichen Grenzstreifen begrenzt. Bei der Volksabstimmung am 14. März 1920 wurden in der sogenannten zweiten Zone (die Stadt Flensburg und die nördlichen Teile der Landkreise Flensburg, Tondern und Husum) 12.800 Stimmen für Dänemark abgegeben. In den nachfolgenden Jahren haben sich dann nicht nur in Flensburg und den grenznahen Gebieten, sondern auch im südlichen Landesteil, z.B. in Tönning und Schleswig, dänische Kreise gebildet. Nach 1945 weitete sich die Minderheit auf den ganzen Landesteil aus. Bei der ersten Landtagswahl am 20. April 1947 wurden im ganzem Landesteil 97.831 dänische Stimmen abgegeben (1996: SSW 38.285). Dieser Entwicklung entsprechend entstand ein Netz dänischer Vereine und Institutionen, und es entstanden natürlich auch Archivalien. 1933 gab es z.B. zehn dänische Schulen, 1997 50 Schulen. In den dreißiger Jahren betreuten drei Pastoren die Mitglieder der Dänischen Gemeinde in Flensburg und Umgebung, 1997 zählte die Dänische Kirche in Südschleswig 24 Pastoren.

ArchivmagazinVor 1989 gab es kein Zentralarchiv für die Akten der dänischen Minderheit. Sehr selten wurden Akten an die örtlichen Archive abgegeben. Vereinzelt wurden von Angehörigen der Minderheit und von dänischen Vereinen und Institutionen Akten an Archive in Dänemark (Landesarchiv in Apenrade, Reichsarchiv oder Königliche Bibliothek in Kopenhagen) abgegeben. Die meisten Akten wurden in Flensburg aufbewahrt, so die der kulturellen Verwaltung im "Dansk Generalsekretariat", die politischen Akten im "Landessekretariat des SSW", die Akten der Schulen beim "Dansk Skoleforening for Sydslesvig" und die Akten der Kirche im "Sydslesvigs Kirkekontor". Einige Bestände gelangten jedoch an die "Dansk Centralbibliotek for Sydslesvig" in Flensburg.

Das Archiv der dänischen Minderheit in Südschleswig (Arkivet ved Dansk Centralbibliotek for Sydslesvig) wurde 1989 als zentrales Archiv der Volksgruppe gegründet. Das Archiv ist eine selbständige Abteilung an der dänischen Zentralbibliothek. Hier werden Akten dänischer Provenienz aus dem ganzen Landesteil, d.h. dänischer Institutionen, Kirchengemeinden, Vereine und Privatpersonen, gesammelt. Das Archiv hat eine Kapazität von etwa 1.000 Regalmetern, die Bestände betragen zur Zeit etwa 400 Meter. Der Schwerpunkt der Bestände liegt in der Zeit nach 1920, doch besonders nach 1945. Der Gesamtbestand ist durch detaillierte Findbücher erschlossen. Die Akten sind in folgende Abteilungen gegliedert: Personen-Nachlässe (450 Bestände), Vereine (260 Bestände), Kirchengemeinden (35 Bestände), Institutionen, u.a. Dansk Generalsekretariat und die örtlichen Sekretariate, SSW, Schulen (65 Bestände).



Dansk Centralbibliotek for Sydslesvig, Norderstraße 59, 24939 Flensburg, Telefon 0461/86970 oder 8697190, Telefax 0461/8697220; e.mail: lh@dcbib.dk; Zugangsmöglichkeit nach Vereinbarung